Spanien in den achtziger Jahren: Ein Land ist im Umbruch. Francisco Franco stirbt 1975 – nach 39 Jahren ist die Diktatur beendet. Neue Freiheiten ergeben sich für Land und Leute. Darunter Alberto García Alix mit seinem ständigen Wegbegleiter: der Kamera. „Ich wollte nie Fotograf werden“, sagt er im Rückblick. Dabei fotografiert er sein Umfeld schon seit 1976. Sein Vater wünschte sich, dass er Jura studiert, aber Alberto García Alix sträubte sich, zog mit zwanzig Jahren zu Hause aus. Im Spanien dieser Zeit war das eine kleine Revolution gegen das Patriarchat.
Auf sich allein gestellt, habe er ein neues Leben begonnen. Ein Leben mit allen Freiheiten – und mit vielen dunklen Kapiteln. Die Kamera stets im Anschlag, fotografierte er diejenigen, die ihn umgaben: Menschen auf der Straße, Motorradfahrer, Pornodarsteller, Drogensüchtige – zu denen er selbst jahrzehntelang gehörte. „Drogen hatte damals nur die Elite, und wir fühlten uns wie Privilegierte.“ Diese Privilegierten hat Alberto García Alix fotografiert; viele von ihnen sind schon lange gestorben. „Warum ich noch am Leben bin? Fragen Sie Gott!“ Ein Grund ist sicherlich die Fotografie, sein Broterwerb ab Mitte der achtziger Jahre. Noch heute interessiert sich Alberto García Alix vor allem für Menschen mit einem exzessiven Lebenswandel – Menschen wie er. Sie zu fotografieren ist seine Begeisterung, sein Lebensinhalt – und zugleich ein innerer Zwang.